Der flexible On-Demand-Verkehr ist keine Universallösung.
Je nach Region, Nachfrage und bestehendem öffentlichen Verkehrsnetz können Angebote unterschiedlich gestaltet werden: von vollflexiblem flächenbasiertem Verkehr über Linienkonzepte, virtuelle Linien bis hin zu Zu- und Abbringermodellen.
In fünf ausgewerteten On-Demand-Projekten in Baden-Württemberg wurden rund 270.000 abgeschlossene Fahrten erfasst. Dies zeigt, dass flexible Verkehrsmodelle bereits heute ein realer Anteil des öffentlichen Verkehrs sind und einen Mehrwert bieten.
Notiz: Die in diesem Beitrag verwendeten Zahlen basieren auf einer aktuellen Studie zur Förderung von On-Demand-Verkehren in Baden-Württemberg.
Flächenbasierter Bedarfsverkehr3>
Das flächenbasierte Modell ist die flexibelste Form des Bedarfsverkehrs.
Es gibt keine festen Routen oder Fahrpläne. Fahrgäste buchen eine Fahrt, und das System berechnet die Route dynamisch auf Basis der aktuellen Nachfrage.
Dieses Modell ist besonders sinnvoll, wo Mobilitätsbedarfe stark verteilt sind. Allerdings garantiert Flexibilität allein nicht automatisch Effizienz. In den verfügbaren Projektdaten lagen die aktuellen Pooling-Raten zwischen 7 % und 70 %.
Korridor
Ein Korridor-Modell gibt dem Angebot mehr Struktur.
Fahrzeuge bewegen sich innerhalb eines definierten Korridors, anstatt sich frei im gesamten Bediengebiet zu bewegen. Dies kann dabei helfen, mehrere Haltestellen oder Orte entlang einer gemeinsamen Achse zu verbinden, während gleichzeitig eine gewisse Flexibilität in der konkreten Routenführung erhalten bleibt.
Dieses Modell ist besonders in ländlichen Räumen sinnvoll, in denen Nachfrage räumlich verteilt ist, aber häufig klaren Reiseachsen folgt. In den ausgewerteten ländlichen Projekten gaben bis zu 53 % der Fahrgäste an, dass sie ohne dieses Angebot den privaten Pkw genutzt hätten.
Teilflexibel
Hybridmodelle kombinieren feste und flexible Elemente.
Ein Teil der Strecke oder des Fahrplans ist fest definiert, während andere Haltestellen nur bei Bedarf bedient werden. So kombiniert das System die Flexibilität eines On-
Demand-Dienstes mit der Takt- und Planungssicherheit des traditionellen ÖPNV, ohne Kompromisse bei der Zuverlässigkeit einzugehen oder die hohen Betriebskosten eines reinen Bedarfsverkehrs zu verursachen. Haltestellen können dabei verpflichtend, optional oder eingeschränkt sein, beispielsweise nur für Ein- oder Ausstieg.
Dies sorgt für ein vertrautes Angebot für Fahrgäste und ermöglicht gleichzeitig eine bedarfsgerechte Anpassung des Betriebs.
Zu-und Abbringer
Ein Zu-und Abbringer oder Multifeeder-Model verbindet mehrere Startpunkte mit einem oder mehreren zentralen Knotenpunkten.
Fahrgäste werden von unterschiedlichen Haltestellen eingesammelt und zu einem zentralen Punkt gebracht, beispielsweise einem Bahnhof, Busknoten oder Mobilitätshub. Dadurch eignet sich das Modell besonders für die erste und letzte Meile.
Diese Rolle ist besonders relevant, wenn Bedarfsverkehr zur Stärkung des bestehenden ÖPNVs eingesetzt wird. In ADKflex beispielsweise kombinierten 84 % der intermodalen Nutzer das Angebot mit der Bahn.
Linienverkehr
Eine feste Linie folgt einer definierten Strecke mit festen Haltestellen und in der Regel einem festen Fahrplan, ähnlich dem klassischen Busverkehr.
Sie ist leicht verständlich und effizient, wenn die Nachfrage stabil ist und viele Fahrgäste entlang derselben Achse unterwegs sind. Fahrgäste müssen nicht im Voraus buchen.
In nachfrageschwachen Gebieten oder außerhalb der Hauptverkehrszeiten können jedoch geringe Fahrzeugauslastung und vermeidbare Fahrten entstehen.
Virtuelle Linie
Eine virtuelle Linie funktioniert im Hintergrund wie eine Linie, bietet jedoch eine flexiblere Umsetzung.
Fahrgäste sehen weiterhin eine klare Struktur, etwa definierte Haltestellen, Korridore oder Abfahrtszeiten. Im Hintergrund bedient das System jedoch nur die Haltestellen, an denen tatsächlich Nachfrage besteht.
ADKflex ist ein Beispiel für dieses Konzept. Es arbeitet mit sechs virtuellen Linienkorridoren und einem festen Takt und ist damit strukturierter als vollflexibler Bedarfsverkehr.
Die Wahl des passenden Modells
Es gibt kein Einheitsmodell, dass für alle Regionen gleichermaßen geeignet ist.
Dies zeigt sich zum Beispiel in den Daten der Prognos-/KE-CONSULT-Auswertung von On-Demand-Verkehren in Baden-Württemberg. In ländlichen On-Demand-Projekten waren die Fahrzeugkilometer pro abgeschlossene Fahrt um 87 % höher als in urbanen und suburbanen Projekten. Die Kosten pro Fahrt lagen zudem zwischen 22 € und 55 €.
Gleichzeitig hätte in etwa jede fünfte Fahrt ohne das On-Demand-Angebot nicht stattgefunden. Dies zeigt, dass Bedarfsverkehr nicht nur eine Frage der Effizienz ist, sondern auch des Zugangs.
Einige Regionen benötigen maximale Flexibilität. Andere profitieren stärker von Struktur, klaren Korridoren oder Zubringerkonzepten.
Ziel ist nicht, jedes Angebot vollständig flexibel zu gestalten. Vielmehr geht es darum, das passende Betriebsmodell für die jeweilige Region zu wählen.
Wenn Sie Beratung dazu wünschen, welcher Verkehrsansatz für Ihre Region geeignet ist, kontaktieren Sie unsere Expertinnen und Experten. Wir helfen Ihnen eine passende Lösung für Ihr Projekt zu finden.
Quelle: Prognos / KE-CONSULT, Begleitforschung zur Förderung von On-Demand-Verkehren, 2024.