Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger stehen vor einer bekannten Herausforderung: Wie können Mobilitätsangebote attraktiv und zugänglich bleiben und gleichzeitig unter zunehmendem finanziellen und operativen Druck bestehen?

Steigende Betriebskosten, Fahrpersonalmangel und begrenzte Budgets erhöhen den Druck auf Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger. Gleichzeitig besteht politische Erwartung, ein flächendeckendes Angebot sicherzustellen. Viele Regionen müssen deshalb die Organisation des ÖPNVs, insbesondere in ländlichen und nachfrageschwachen Gebieten, neu denken.

Seit Jahren stehen dabei zwei Modelle im Mittelpunkt der Diskussion: der klassische Linienverkehr und der flexible Bedarfsverkehr („DRT“). Beide spielen eine wichtige Rolle im öffentlichen Verkehrsangebot, weisen jedoch auch jeweils klare Grenzen auf.

Die zentrale Frage ist daher nicht mehr, welches Modell grundsätzlich besser ist, sondern welches Betriebsmodell am besten zu den Mobilitätsmustern und Nachfragen einer Region passt.

Stärken und Grenzen des Linienverkehrs

Feste Linien und Fahrpläne bilden weiterhin das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Sie bieten Verlässlichkeit, Planbarkeit und Orientierung für die Fahrgäste.

Gleichzeitig bringen sie jedoch auch gewisse Einschränkungen mit sich.

In ländlichen Räumen und außerhalb der Hauptverkehrszeiten ist die Nachfrage häufig zu gering, um Fahrzeuge ganztätig mit einem fest getakten Fahrplan und dichter Taktung einzusetzen. Busse fahren teilweise mit sehr wenigen Fahrgästen, während die Betriebskosten überproportional ansteigen.

Zudem ist der Linienverkehr grundsätzlich weniger flexibel. Nachfragemuster variieren je nach Tageszeit, Ort und Fahrtzweck, doch klassische Angebote können auf die schwankende Nachfrage im Tagesgang nur begrenzt reagieren, da sie an feste Fahrpläne und Linien gebunden sind.

Dies stellt Verkehrsunternehmen vor einen dauerhaften Zielkonflikt zwischen der Sicherung des Angebots und wirtschaftlicher Effizienz.

Einen passenden Ansatz finden: Zwischen Linienverkehr und vollflexiblem Bedarfsverkehr

Chancen und Herausforderungen des vollflexiblen Bedarfsverkehrs

Der Bedarfsverkehr oder On-Demand-Verkehr wurde entwickelt, um diese Einschränkungen zu adressieren.

Durch die Möglichkeit, Fahrten auf Abruf zu buchen und Routen dynamisch anzupassen, kann vollflexibler Bedarfsverkehr Mobilität dort bereitstellen, wo klassische Angebote an ihre Grenzen stoßen. Dieser bietet ein hohes Maß an Flexibilität, kann die Erreichbarkeit in unterversorgten Gebieten erhöhen sowie einer Verbesserung der Kosten pro Kunden beitragen.

Gleichzeitig geht Flexibilität jedoch mit operativer Komplexität einher.

In ländlichen Räumen ist die Nachfrage häufig räumlich stark gestreut. Fahrgäste reisen zwischen vielen unterschiedlichen Start- und Zielorten, wodurch sich Fahrten nur schwer bündeln lassen. Fahrzeuge legen dadurch häufig Leerfahrten zwischen einzelnen Buchungen zurück, was die Transportpotential nicht vollständig ausschöpft

Darüber hinaus sind Betriebskosten oft schwerer kalkulierbar Nachfrageschwankungen wirken sich direkt auf Fahrzeugbedarf, Fahrpersonaleinsatz und Angebotsniveau aus. Für Betreiber, die Taxiunternehmen als Subunternehmer einsetzen, können Koordination und Kostensteuerung zusätzlich komplex werden.

In manchen Fällen kann vollflexibler Bedarfsverkehr daher komplexer sein, als es die tatsächlichen Mobilitätsbedarfe vor Ort benötigen.

Einen passenden Ansatz finden: Zwischen Linienverkehr und vollflexiblem Bedarfsverkehr

Wachsende Bedeutung hybrider Ansätze

Zwischen diesen beiden Modellen entwickelt sich ein dritter Ansatz, der zunehmend an Bedeutung gewinnt: linienbasierter bzw. hybrider Bedarfsverkehr.

Anstatt sich zwischen klassischem Linienbetrieb und vollflexiblem Bedarfsverkehr entscheiden zu müssen, kombiniert dieser dritte Ansatz die Vorzüge beider Modelle.

Fahrgäste profitieren weiterhin von vertrauten Linien, Haltestellen und Fahrplanstrukturen, während der Betrieb bedarfsgerecht organisiert wird. Fahrzeuge fahren nur bei tatsächlicher Nachfrage, bestimmte Haltestellen werden nur auf Abruf bedient und Routen können mithilfe algorithmischer Disposition optimiert werden.

Ziel ist nicht, den Linienverkehr oder den vollflexiblen On-Demand-Verkehr zu ersetzen, sondern ein zusätzliches Betriebsmodell bereitzustellen, das dort eingesetzt werden kann, wo es operativ sinnvoll ist.

Warum viele Regionen bestehende Angebote betrachten

Viele Regionen betreiben bereits heute Bedarfsverkehre wie Rufbusse, Anrufsammeltaxis, Anruflinientaxis oder Bürgerbusse.

Diese Angebote schließen insbesondere im ländlichen Raum wichtige Mobilitätslücken. Häufig werden sie jedoch manuell über Telefonbuchungen, Callcenter oder getrennte Dispositionsprozesse gesteuert.

Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, diese Angebote zu modernisieren, ohne sie grundlegend zu verändern.

Buchungen können digital abgewickelt werden, die Disposition kann softwaregestützt erfolgen, und Verkehrsunternehmen sowie Aufgabenträger erhalten besseren Zugang zu Betriebsdaten und Auswertungen. Gleichzeitig bleiben die vertrauten Angebotsstrukturen für Fahrgäste erhalten.

Einen passenden Ansatz finden: Zwischen Linienverkehr und vollflexiblem Bedarfsverkehr

Den passenden Ansatz wählen

Es gibt keine Universallösung, die allen Regionen gerecht wird, vielmehr muss diese auf die individuellen Gegebenheiten abgestimmt werden.

Dicht besiedelte städtische Räume profitieren von anderen Ansätzen als ländliche Regionen. Manche Angebote erfordern maximale Flexibilität, andere funktionieren besser mit stärker strukturierten Betriebsmodellen.

Die Zukunft des öffentlichen Verkehrs wird daher nicht durch ein einzelnes Modell geprägt sein, sondern vielmehr durch die Kombination verschiedener Ansätze zur Abbildung lokaler Mobilitätsbedarfe.

Für viele Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger stellt sich daher nicht mehr die Frage, ob Linienverkehr oder Bedarfsverkehr gewählt werden soll, sondern wo welches Modell Mehrwert schafft und wo hybride Ansätze helfen können, die Lücke zwischen Effizienz und Flexibilität bestmöglich zu schließen.