Mobility-as-a-Service, kurz MaaS, vereint den öffentlichen Nahverkehr, Bedarfsverkehre und Mikromobilität auf einer digitalen Plattform. Für Fahrgäste bedeutet dies, dass sie multimodale Reisen an einem einzigen Ort planen, buchen und bezahlen können, mit klareren Informationen zu Routen, Umstiegen und Tarifen.
Auch wenn die Nutzung für Fahrgäste einfach ist, ist das System dahinter deutlich komplexer. Die zentrale Frage ist: Wie kann On-Demand-Verkehr mit dem öffentlichen Verkehrsangebot so verknüpft werden, dass diese Lösung effizient, skalierbar und zuverlässig ist?
Dies ist ein Thema von wachsendem Interesse in der gesamten Branche und in mehreren Ländern. Dies wurde durch Workshops und Webinare mit Verkehrsbehörden deutlich. Dazu gehörten Veranstaltungen, die vom Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz des Saarlandes , vom Schwedischen Verband für den öffentlichen Verkehr sowie im Rahmen eines Side-Events auf der Fachmesse IT-TRANS organisiert wurden, bei denen zentrale Erkenntnisse geteilt wurden.
Basierend auf jahrelanger Erfahrung mit On-Demand- und MaaS-Integrationen fasst dieser Artikel einige der wichtigsten Aspekte zusammen, die es zu berücksichtigen gilt – von offenen Datenstandards und standardisierten Schnittstellen bis hin zur operativen Umsetzung.
Mobility-as-a-Service: Eine App für alle Mobilitätsangebote
MaaS ermöglicht es Fahrgästen, multimodale Reisen über eine App zu suchen, zu buchen und zu bezahlen. Wird On-Demand-Mobilität integriert, kann sie dazu beitragen, Lücken auf der ersten und letzten Meile zu schließen und den öffentlichen Nahverkehr besser zugänglich zu machen.
Dies kann einen attraktiveren ÖPNV, gebündelte Fahrten, eine bessere Erreichbarkeit und eine geringere Abhängigkeit vom privaten Pkw unterstützen.
Diese Vorteile hängen jedoch davon ab, wie gut die unterschiedlichen Systeme miteinander zusammenspielen.
Integrationsarchitektur: Was hinter der App passiert
Bei einer MaaS-Integration ist die App nur der sichtbare Teil des Systems. Im Hintergrund müssen verschiedene Systeme zuverlässig miteinander kommunizieren.
Die fahrgastseitige MaaS-App übernimmt Funktionen wie Verbindungssuche, Buchung, Tarifinformationen, Bezahlung, Fahrtaktualisierungen und Stornierungen. Simdle Mobility unterstützt die betriebliche Seite des On-Demand-Angebots. Dazu gehören Bediengebiete und Haltestellen, Fahrzeuge, Fahrpersonal, Disposition, Routenoptimierung und die Bündelung von Fahrgästen.
Diese Architektur ermöglicht der MaaS-App ein einfaches Reiseerlebnis anzubieten, während Simdle die betriebliche Komplexität hinter jeder On-Demand-Fahrt steuert. Dies trägt dazu bei, sicherzustellen, dass verschiedene Systeme zuverlässig miteinander kommunizieren können und dass On-Demand-Dienste in der Praxis in öffentliche Verkehrsnetze integriert werden können.
Wie funktioniert die Integration?
Theoretisch könnte eine MaaS-Plattform für jede Reiseanfrage die Such-API jedes einzelnen On-Demand-Anbieters aufrufen. In der Praxis entsteht dadurch jedoch ein erheblicher Aufwand.
Besonders komplex sind Mischreisen. Dabei handelt es sich um Fahrten, bei denen ein Teil mit liniengebundenem öffentlichem Verkehr und ein anderer Teil mit On-Demand-Verkehr zurückgelegt wird. Ohne eine gemeinsame technische Grundlage würde die Berechnung und Bestätigung solcher Fahrten zahlreiche separate API-Aufrufe erfordern.
Dadurch lassen sich Eins-zu-eins-Integrationen nur schwer skalieren.
Der entscheidende Faktor: offene Datenstandards
Offene Datenstandards wie GTFS erleichtern die Integration.
GTFS ermöglicht es, Linien- und On-Demand-Verkehre in einem einheitlichen Format zu beschreiben. Dadurch kann eine MaaS-Plattform dieselbe Datengrundlage nutzen, um Reisen zu planen, die Busse, Bahnen und On-Demand-Fahrten miteinander kombinieren. Wenn eine Reise ein On-Demand-Segment erfordert, kann anschließend ein zusätzlicher API-Aufruf genutzt werden, um die Verfügbarkeit zu prüfen und die Fahrt zu bestätigen.
Dies reduziert die Komplexität und hilft MaaS-Plattformen, unterschiedliche Angebote effizienter zu integrieren.
Warum standardisierte APIs weiterhin wichtig sind
GTFS unterstützt die Reiseplanung, indem Verkehrsdaten in einem strukturierten Format bereitgestellt werden. So können MaaS-Plattformen erkennen, welche liniengebundenen und On-Demand-Angebote existieren und wie sie innerhalb einer Reise kombiniert werden können.
Für bedarfsgesteuerte Verkehre reichen reine Planungsdaten jedoch nicht aus. Fahrgäste benötigen auch Echtzeitfunktionen, etwa die Suche nach Verfügbarkeit, die Buchung einer Fahrt, den Erhalt von Aktualisierungen und die Stornierung einer Reise.
An dieser Stelle werden standardisierte Schnittstellen wichtig. Lösungen wie TRIAS und HAFAS unterstützen den Austausch von Reise- und Buchungsinformationen zwischen MaaS-Plattformen und Verkehrssystemen. In Kombination mit GTFS tragen sie dazu bei, die Kompatibilität mit lokalen ÖPNV-Umgebungen herzustellen und den Bedarf an separaten Integrationen zu reduzieren.
Ohne solche Schnittstellen müsste jede MaaS-Plattform einzeln an jeden Anbieter angebunden werden. Das würde die Integration komplexer machen und ihre Pflege deutlich erschweren.
Anti-Kannibalisierung: On-Demand-Verkehr als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr
Integration ist auch eine betriebliche Frage. On-Demand-Mobilität sollte den öffentlichen Nahverkehr ergänzen, nicht mit ihm konkurrieren. Eine Anti-Kannibalisierungslogik hilft dabei, genau das sicherzustellen.
Das Prinzip ist einfach: Ein On-Demand-Angebot wird nur dann angeboten, wenn im Linienverkehr keine zumutbare Verbindung verfügbar ist. Was als „zumutbar“ gilt, kann von der Verkehrsbehörde oder dem Verkehrsunternehmen entsprechend den Bedürfnissen der Fahrgäste und dem Bediengebiet festgelegt werden. Dabei können Faktoren wie Wartezeit, Fußweg und Umstiege berücksichtigt werden.
So lassen sich Parallelfahrten vermeiden und On-Demand-Fahrzeuge effizienter einsetzen.
Zentrale Erkenntnisse
Die Integration von On-Demand-Verkehren in den ÖPNV eröffnet neue Möglichkeiten für eine effizientere und nachhaltigere Mobilität. Drei zentrale Aspekte stechen dabei hervor:
• MaaS-Implementierung: Anti-Kannibalisierung, GTFS und standardisierte APIs schaffen die technische Grundlage für eine skalierbare Integration.
• Nachhaltigkeit: Integrierter Bedarfsverkehr kann nachhaltigere Betriebsformen unterstützen, indem Fahrten gebündelt, Leerfahrten reduziert und parallele Angebote vermieden werden. Zudem ermöglicht sie den Übergang von rein bedarfsgesteuerten Angeboten hin zu teilflexiblen Buslinien – und verbindet damit die Flexibilität des Bedarfsverkehrs mit der Effizienz liniengebundener Angebote.
• Fahrgasterlebnis: Zentralisierte Informationen, appbasierte Buchung und Echtzeitdaten erleichtern es den Fahrgästen, ihre Reisen zu planen, zu buchen und zu verwalten, und tragen gleichzeitig zur Optimierung des ÖPNVs bei.
Fazit
MaaS wird oft als eine App für alle Mobilitätsangebote beschrieben. Der eigentliche Wert von MaaS hängt jedoch davon ab, was hinter der App passiert. Offene Datenstandards, standardisierte APIs und Anti-Kannibalisierungslogik helfen dabei, On-Demand-Angebote auf skalierbare Weise mit dem Linienverkehr zu verknüpfen.
Wenn Integration gelingt, ersetzt On-Demand-Mobilität den öffentlichen Verkehr nicht. Sie stärkt ihn.
Bei Simdle Mobility unterstützen wir Verkehrsunternehmen und Städte dabei, flexible On-Demand-Angebote in bestehende öffentliche Verkehrssysteme zu integrieren.
Denn bessere Integration führt zu besseren Fahrten, intelligenteren Betriebsabläufen und einem effizienteren ÖPNV.